Leitfaden · Automatisierung

KI-Agenten im Unternehmen: was sie leisten, wo sie enden und wie Sie anfangen.

KI-Agenten sind Software-Systeme, in denen ein Sprachmodell einen Vorgang über mehrere Schritte selbst plant und ausführt: Es wählt Werkzeuge wie Suche, Datenbank oder Schnittstelle, prüft nach jedem Schritt das Ergebnis und macht weiter, bis die Aufgabe erledigt ist oder ein Mensch übernimmt.

Kurzfazit

Der Unterschied zur festen Automatisierung: Beim KI-Agenten wählt das Sprachmodell die Schritte selbst. Das lohnt sich bei dokumentlastigen Vorgängen, deren Ablauf vom Inhalt abhängt. Es kostet mehr Rechenaufwand und braucht Grenzen: Ein Mensch gibt frei, wo ein Vorgang Personen betrifft (Art. 22 DSGVO) oder nach außen geht. Für feste Abläufe genügt meist eine Automatisierung ohne Agent.

Diesen Leitfaden zusammenfassen mit

Von — AI-Automations-Manager (TÜV-SÜD-Akademie), drei IHK-Qualifikationen, gelernter SHK-ler und Kundendiensttechniker.

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Was ein KI-Agent ist und was nicht

Der Begriff wird weit gefasst. Anthropic, ein Entwickler von Sprachmodellen, zieht in seinem Leitfaden zu Agenten eine brauchbare Grenze: In Workflows sind Sprachmodell und Werkzeuge über fest programmierte Pfade verbunden. In Agenten lenkt das Sprachmodell seinen Ablauf und seine Werkzeugnutzung selbst (Anthropic, englisch, 19. Dezember 2024). Das Analystenhaus Gartner beobachtet außerdem „Agent Washing“: Hersteller etikettieren bestehende Assistenten, RPA und Chatbots als Agenten, ohne dass sie nennenswert agentisch arbeiten (Gartner, englisch, 25. Juni 2025).

Die Tabelle zeigt, wer in welcher Lösung die Schritte bestimmt:

Lösung Wer bestimmt die Schritte? Typischer Einsatz
Chatbot der Gesprächsverlauf Fragen beantworten, etwa zu Produkten oder zu Dokumenten (mit RAG)
RPA eine feste Abfolge von Klicks in Oberflächen Altsysteme ohne Schnittstelle
KI-Automatisierung der Ablauf im Code; das Sprachmodell liest oder ordnet an einzelnen Stellen ein wiederkehrende Abläufe mit klaren Regeln, etwa Rechnungen einlesen und buchen
Voicebot das Gesprächsziel am Telefon Anrufe annehmen, Anliegen aufnehmen, Termine buchen
KI-Agent das Sprachmodell, innerhalb vorgegebener Werkzeuge und Grenzen Vorgänge, deren nächster Schritt vom Inhalt abhängt

Ein KI-Telefonassistent ist demnach ein Agent für genau eine Aufgabe, das Telefonat. Wie er arbeitet, steht im Leitfaden KI-Voice-Agent. Die Agenten in diesem Beitrag arbeiten in Ihren Systemen und Dokumenten.

Wofür Unternehmen KI-Agenten einsetzen

Agenten lohnen sich dort, wo ein Vorgang viel Lesen erfordert und der nächste Schritt vom Inhalt abhängt. Drei Beispiele:

  • Anfragen und Angebote: Der Agent liest eine Anfrage per E-Mail oder PDF, erkennt fehlende Angaben, holt Daten aus dem ERP und legt einen Angebotsentwurf an.
  • Ausschreibungen: Er gleicht Anforderungen mit Produktdokumentation und Zertifikaten ab und zeigt, welche Punkte belegt sind und welche nicht. Das Firmenwissen liefert ein RAG-System.
  • Support-Fälle: Er sucht in Handbüchern und früheren Tickets nach Lösungen und schlägt dem Team eine Antwort vor.

Wann ein Agent zu viel ist

Nicht jeder Vorgang braucht einen Agenten. Anthropic empfiehlt, die einfachste Lösung zu suchen und die Komplexität nur zu erhöhen, wenn es nötig ist; agentische Systeme tauschen oft Geschwindigkeit und Kosten gegen bessere Ergebnisse (Anthropic). Gartner schreibt, viele als agentisch angebotene Anwendungsfälle bräuchten gar keine agentische Umsetzung (Gartner). Drei Fragen helfen bei der Entscheidung:

  1. Ändert sich der nächste Schritt je nach Inhalt? Wenn nein, genügt ein fester Ablauf.
  2. Ist ein Fehler verkraftbar, oder prüft ein Mensch das Ergebnis vor der Wirkung?
  3. Gibt es für die beteiligten Systeme Schnittstellen (APIs)?

Wo der Ablauf feststeht, ist die KI-Prozessautomatisierung der berechenbarere und günstigere Weg.

Grenzen: Freigabe, DSGVO und KI-Verordnung

Freigabe durch Menschen

Ein Agent arbeitet selbständig, aber nicht ohne Leine. Nach Anthropic pausieren Agenten an Kontrollpunkten oder bei Hindernissen für Rückmeldung und bekommen Abbruchbedingungen wie eine Höchstzahl an Durchläufen. In der Praxis heißt das: Der Agent legt Entwürfe an, ein Mensch gibt frei, bevor etwas nach außen geht, und jeder Schritt ist protokolliert.

Entscheidungen über Personen: Art. 22 DSGVO

Betroffene haben das Recht, keiner Entscheidung unterworfen zu werden, die ausschließlich auf automatisierter Verarbeitung beruht und ihnen gegenüber rechtliche Wirkung entfaltet oder sie in ähnlicher Weise erheblich beeinträchtigt (Art. 22 DSGVO, mit Ausnahmen in Absatz 2). Ein Agent, der allein Bewerbungen aussortiert oder Kredite ablehnt, wäre ein typischer Fall. Er darf vorbereiten, ein Mensch entscheidet.

KI-Verordnung

Agenten, die mit Menschen kommunizieren, etwa im Chat oder am Telefon, fallen unter die Transparenzpflicht des Art. 50 Abs. 1: Die Menschen müssen erfahren, dass sie mit einem KI-System sprechen, es sei denn, das ist nach den Umständen offensichtlich. Für Hochrisiko-KI-Systeme verlangt Art. 14 eine wirksame Aufsicht durch natürliche Personen (Verordnung (EU) 2024/1689). Ob ein Agent hochriskant ist, hängt vom Einsatzbereich ab. Die Einstufung gehört in die KI-Governance; ein Beispiel zeigt der Beitrag zur KI-Verordnung beim KI-Telefonassistenten.

Kosten und Risiken

Eine Preisliste gibt es nicht, weil der Aufwand von Ihrer Ausgangslage abhängt. Drei Faktoren bestimmen das meiste: Zahl und Art der angebundenen Systeme, Zahl der Ausnahmen und Freigabeschritte und die Zahl der Schritte, die ein Vorgang braucht. Dazu kommen laufende Kosten für Modellaufrufe, die bei Agenten höher ausfallen als bei einem festen Ablauf.

Das Risiko, zu früh zu groß zu planen, beziffert Gartner als Prognose: Über 40 % der agentischen KI-Projekte werden bis Ende 2027 eingestellt, wegen steigender Kosten, unklaren Nutzens oder unzureichender Risikokontrolle. Gartner rät, Agenten nur dort zu verfolgen, wo sie einen klaren Nutzen bringen (Gartner, englisch, 25. Juni 2025). Wir halten es genauso: erst ein Vorgang, dessen Nutzen sich rechnen lässt, dann der Ausbau.

Wie titanspear.ai KI-Agenten baut

Wir bauen Agenten als Teil der KI-Prozessautomatisierung auf unserer eigenen Automatisierungsplattform. Ihre Systeme schließen wir über Schnittstellen (APIs) an, und ein Mensch gibt frei, bevor etwas nach außen geht. Mit Ihnen schließen wir einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO. Ob Daten zum Training fremder Modelle genutzt werden dürfen, legen wir vor dem Anbinden vertraglich fest. Der Weg:

  1. Erstgespräch (30 Minuten per Video, kostenlos): Welcher Vorgang kostet heute am meisten Zeit?
  2. Prozess aufnehmen und Zielbild festlegen: Schritte, Ausnahmen, Freigaben, erwarteter Nutzen.
  3. Systeme anbinden: über Schnittstellen, mit Zugriffsrechten und Protokoll.
  4. Pilot mit echten Daten: Ein Vorgang, eine Gruppe, gemessen an Beispielen Ihrer Fachleute.
  5. Ausbau und Betreuung: mit festem Ansprechpartner.

Den Rahmen für Regeln und Verantwortlichkeiten beschreibt der Leitfaden KI-Governance, den Einstieg in das Gesamtvorhaben die KI-Beratung. Wie sich KI-Funktionen in bestehende Systeme einbinden lassen, zeigt die Seite KI-Integration.

Quellen und Hinweis

Alle Quellen am 11. Oktober 2026 geöffnet: Anthropic, Building effective agents; Gartner, Pressemitteilung vom 25. Juni 2025; Verordnung (EU) 2016/679; Verordnung (EU) 2024/1689. Dieser Leitfaden ist keine Rechtsberatung. Die rechtliche Einordnung Ihres Einzelfalls übernehmen Ihre Datenschutzbeauftragte, Ihr Datenschutzbeauftragter oder eine Kanzlei.

Häufige Fragen

KI-Agenten, kurz beantwortet.

Was sind KI-Agenten?

KI-Agenten sind Software-Systeme, in denen ein Sprachmodell einen Vorgang über mehrere Schritte selbst plant und ausführt: Es wählt Werkzeuge wie Suche, Datenbank oder Schnittstelle, prüft nach jedem Schritt das Ergebnis und macht weiter, bis die Aufgabe erledigt ist oder ein Mensch übernimmt.

Was ist der Unterschied zwischen einem KI-Agenten und einem Chatbot?

Ein Chatbot führt ein Gespräch und beantwortet Fragen. Ein KI-Agent erledigt zusätzlich einen Vorgang: Er ruft Werkzeuge auf, holt Daten aus Ihren Systemen und legt Ergebnisse an, etwa einen Angebotsentwurf. Die Grenze ist fließend, denn viele Chatbots bekommen Werkzeuge. Entscheidend ist, wer die nächsten Schritte wählt.

Was ist der Unterschied zwischen KI-Agent, RPA und Automatisierung?

RPA klickt eine feste Abfolge in Oberflächen nach. Eine KI-Automatisierung folgt einem festen Ablauf, in dem ein Sprachmodell an einzelnen Stellen Texte liest oder einordnet. Bei einem KI-Agenten wählt das Sprachmodell die Schritte selbst, innerhalb der Werkzeuge und Grenzen, die Sie vorgeben. Für feste Abläufe genügt meist die Automatisierung.

Wofür setzen Unternehmen KI-Agenten ein?

Typisch sind dokumentlastige Vorgänge, bei denen der nächste Schritt vom Inhalt abhängt: eine Anfrage lesen, fehlende Angaben erkennen, Daten aus dem ERP holen und einen Angebotsentwurf anlegen; Ausschreibungen gegen Produktdokumentation prüfen; Support-Fälle mit Handbüchern und früheren Lösungen abgleichen.

Darf ein KI-Agent allein entscheiden?

Nicht, wenn die Entscheidung eine Person rechtlich betrifft oder in ähnlicher Weise erheblich beeinträchtigt. Art. 22 DSGVO gibt Betroffenen das Recht, keiner ausschließlich automatisierten Entscheidung unterworfen zu sein, mit gesetzlichen Ausnahmen. Deshalb bereitet ein Agent solche Fälle vor und ein Mensch entscheidet. Die rechtliche Einordnung Ihres Falls übernimmt Ihre Rechtsberatung.

Was kosten KI-Agenten?

Das hängt von Zahl und Art der angebundenen Systeme, der Zahl der Ausnahmen und Freigabeschritte und davon ab, wie viele Schritte ein Vorgang braucht. Agenten ziehen meist mehr Modellaufrufe nach sich als eine feste Automatisierung, die laufenden Kosten sind also Teil der Rechnung. Einen Festpreis nennen wir nach dem kostenlosen Erstgespräch.

Ist ein KI-Telefonassistent ein KI-Agent?

Ja, für eine einzelne Aufgabe: Er führt das Telefonat, nimmt das Anliegen auf und bucht zum Beispiel einen Termin. Ein allgemeiner KI-Agent arbeitet nicht am Telefon, sondern in Ihren Systemen und Dokumenten.

Zum Leitfaden KI-Voice-Agent

Ersetzt dieser Leitfaden eine Rechtsberatung?

Nein. Er ordnet die Begriffe und verweist auf Primärquellen. Für verbindliche Aussagen zu Ihrem Einzelfall wenden Sie sich an Ihre Datenschutzbeauftragte, Ihren Datenschutzbeauftragten oder an eine Kanzlei.

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